Lesen oder nicht lesen

 

                   

* Torsten Körner, Auch ich war einst Pelé, Aufbau Taschenbuchverlag, 2006, 8,95 Euro, gelesen: September 2006 bis Oktober 2007

Überflüssig wie ein Kropf ist dieses Buch und hätte vielleicht auch keinen Verleger gefunden, hätte nicht diese WM stattgefunden. Glücklicherweise auch auf besagten Tisch gefunden, hat es mehr als ein Jahr benötigt, um es bis zum Ende zu lesen. Zugegeben zwei, drei wirkliche nette Stories gibt es doch. Daraus entsteht aber noch kein Buch. Der eine Stern gilt mehr mir, weil ich es ganz gelesen habe.

**+ Michael Pöppl, Fußball ist unser Leben, Aufbau Taschenbuchverlag, 2002, 8,50 Euro, gelesen: Frühjahr 2007 bis Oktober 2007

Die Fußball WM 2006 bescherte uns manches, auch ein üppige Auswahl an Fußballbüchern die als Mängelexemplare auf dem "Grabbeltisch" für 2,90 Euro zu haben waren. Dort lag auch dieses. Über ein Jahr hat es gedauert, bis ich es endlich gelesen habe. Ganz nett, um einen Überblick zwischen Geschichte und Fußballballgeschichte der Republik zu erhalten. Aber wer auf beiden Gebieten schon andee Bücher aufgesogen hat, für den ist es überflüssig. Den Preis auf dem Wühltisch war das Ganze dann aber auf jeden Fall wert.

***+ Damaris Kofmehl, Der Hooligan, Brunnenverlag, 2007, 11,95 Euro, gelesen: September 2007

Dieses Buch war dem Urlaub in Italien vorbehalten und ich musste mich disziplinieren, um es nicht vorher zu lesen. Die ersten 250 Seiten lasen sich dann auch gut und flüssig, auch wenn die Story klischeebeladen ist. Der BFC Hool auf dem Weg nach unten, bis hin zu den Verbindungen in Richtung Hells Angels. Die dann folgende Wandlung vom Saulus vom Paulus wäre dann auch noch hinnehmbar gewesen, aber spätestens als der Geläuterte dann doch wieder in den Kreis der Seinen zurückkehren durfte, verlor das Buch mit jeder Seite an Glaubwürdigkeit und am Ende blieb Ratlosigkeit. Realität, Realsatire oder Fantasy, das beschäftigt mich immer noch. Eine zeitlang erinnerte mich die Reihung der Story an Alex in Clockwork Orange, warum auch immer. Aufgrund der Ratlosigkeit gibt es auch ein Minus.

 

**** Frank Willmann  (Hrsg.), Stadionpartisanen, Verlag Neues Leben, 2007, 16,90 Euro, gelesen: September 2007

Ein tolles Buch. Ich habe es an mehreren Abenden hintereinander noch vor dem Urlaub gelesen. Natlos schließt es an die Bände über die Lokis und Dynamo Dresden an. Das Konzept mit Interviews über Fangenerationen hinweg überzeugt auch ein drittes Mal. Wäre nicht der reißerische Titel und der Untertitel "Fans und Hooligans in der DDR". Genau dies ist das Buch nicht, beschränkt es sich doch auf die Berliner Szene. Etwas mehr Bescheidenheit bei der Wahl des Titels wäre wahrscheinlich mehr gewesen. Und durch die Lektüre genau dieses Bandes konnte auch "Der Hooligan" ein paar Plausibilitätskontrollen überstehen.

**** Matthias Thoma, Wir waren die Juddebube, Verlag Die Werkstatt, 2007, 19,90 Euro, gelesen: August 2007

Nach dem gescheiterten Anlauf zügig Fußball unterm Hakenkreuz zu lesen, waren meine Bedenken beim Kauf doch recht hoch. Leichte Kost ist das Buch nicht, kann es auch bei dem Thema nicht sein. Aber es ist lesbar und bietet eine Vielzahl von Informationen über die Eintracht aus Frankfurt während der Nazizeit. Überzeugend hat der Autor viele Fakten gesammelt, gibt aber auch zu, wenn seine Recherchemöglichkeiten erschöpft ist. Wünschenswert wäre, wenn sich mehr Vereine diesem Thema ausführlich widmen würden. Besonders gut gefallen haben mir die vielen Querverweise zwischen der Eintracht und dem FSV.

 

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Ronny Blaschke, Im Schatten des Spiels, Verlag Die Werkstatt, 2007, 16,90 Euro, gelesen: Juli 2007

Schon wieder ein Buch über Randale beim Fußball. Gähn? Bei weitem nicht. Das Buch ist vielmehr eine Zusammenfassung vieler einzelner Aspekte der Gewalt, die dem interessiertem Leser zum Teil sicherlich schon aus anderen Veröffentlichungen bekannt sein dürften. Auch der Streifzug Gewaltaspekte in unteren Ligen und durch Europa hat mir gefallen. Warum also keine fünf Sterne? Den Punktabzug gibt es von mir aufgrund zweier völlig überflüssiger Kapitel, deren Aufnahme in dieses Buch nicht überzeugt: Eventsport in Amerika und Schwule Fußballer. Letzteres hat sicher seine Berechtigungen, aber nicht gerade im Kontext dieses Buches.

 

**** Nicholas Alt, The boys from the Mersey, Trolsen Communicate, 2007, 13,90 Euro, gelesen: Frühjahr 2007

Kann ich an dieses Buch überhaupt neutral herangehen? Schließlich war es 1978 im Düsseldorfer Rheinstadion, als ich die Fans des LFC erstmals im Halbfinale des Europapokals erleben konnte. Nichts war vorher bei deutschen Spielen vergleichbar. Auch wenn ich es nervig fand, dass der Autor die Einmaligkeit des LFC mindestens alle 10 Seiten hervorhebt, es war tatsächlich so. England war der LFC und der Traum war die Anfield Road. 1981 erfüllte ich mir diesen Traum, bei einem mehr zweitrangigen Spiel gegen Stoke City. Dennoch, die Stimmung war einfach genial. Nein, in letzter Konsequenz konnte ich die Neutralität nicht aufbringen. Denn selbst beim Besuch des genauso sinnloses Kicks 2005 gegen Kaunas hatte sich etwas noch wenige Momente bewahrt. Die Gänsehautfeeling beim "You never walk alone" und die Fairness des Publikums, welches die Gesänge der wenigen Fans aus Litauen mit Beifall honorierte. Ich habe das Buch verschlungen und die Geschichte des LFC hat nicht nur Erfolge, sondern auch Tragödien zu bieten. Unbedingt lesenswert.

*** Geoff Harvey & Vanessa Strowger, Rivalen, Trolsen Communicate, 2006, 14,90 Euro, gelesen: Rund um Weihnachten 2006

Das Layout des Buches ist schlecht. Die Informationen gehen in Ordnung. Als Lesebuch finde ich es nicht geeignet. Wenn man es sich zulegt, um Besuche auf der Insel vorzubereiten, kann man sicher das Eine oder Andere mitnehmen.

***+ Brigitte Schönau, Calcio, KiWi Paperback, 2005, 7,90 Euro, gelesen Januar 2006

Nette Kurzgeschichten über den italienischen Fußball, die fast alle unterhaltsam sind. Als Einstiegsbuch zum Thmea unbedingt empfehlenswert.

***** Tim Parks, Eine Saison mit Verona, Goldmann Taschenbuch, 2003, 9,90 Euro, gelesen Oktober 2003

Ein Jahr später ist das Buch von Tim Parks im Gepäck. Sensationell, für mich das beste Buch über den italienischen Fußball im Allgemeinen und Verona im Speziellen.

**** Joe McGinniss, Das Wunder von Castel di Sangro, Ullstein Taschenbuch, 2002, 8,95 Euro, gelesen Oktober 2002

Eine Saison begleitet der Autor die Mannschaft eines Dorfes in den Höhen und Tiefen der Seria B, in die der Verein sensationell aufgestiegen ist. Das Ganze endet ohne Happy End. Eine wunderbare Urlaubslektüre im Land der Korruption. Vom Länderpunkt Italien lassen wir uns dennoch nicht abbringen.

**** Nanni Balestrini, I Furiosi, Die Wütenden, ID Verlag, 2001, gelesen im Laufe der Zeit

Ohne Punkt und Komma. Kult, der inzwischen auch schon den Weg in die Theater gefunden hat.